BR-online, 12.01.2012

20 Hungerstreikende in Klinik

 

In München sind 20 jugendliche Flüchtlinge während ihres Hungerstreiks in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Das teilte die Flüchtlingsinitiative Karawane mit. Die 16- bis 18-Jährigen aus Afghanistan protestieren gegen die ihrer Ansicht nach menschenunwürdige Unterbringung.

Nach Angaben eines Sprechers beteiligen sich an dem Hungerstreik seit dem Wochenende 60 Flüchtlinge, die in einer ehemaligen Bundeswehrkaserne in München einquartiert sind. Laut Initiative wollten die Jugendlichen nicht in Kliniken eingeliefert werden. Auf ärztliche Anweisung hin sei ihnen aber nichts anderes übrig geblieben.

Unerträglich hygienische Bedingungen, abgelaufenes Essen, kaum Platz - das seien die Probleme, über die sich die Jugendlichen beklagten, so der Flüchtlingsrat. Sie sind ohne Eltern oder Verwandte aus Ländern wie Somalia oder Afghanistan nach Bayern gekommen. Viele von ihnen litten unter psychischen Problemen, sagt Monika Steinhauser vom Münchner Flüchtlingsrats.

 

Regierung von Oberbayern wehrt sich

Die Bezirksregierung Oberbayern streitet die Vorwürfe des Flüchtlingsrats ab: "Eine Unverschämtheit, dass wiederholt Vorwürfe erhoben werden von Leuten, die Herstellungs- und Ablaufdatum von Lebensmitteln verwechseln", sagte Sprecher Heinrich Schuster gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Die 16- bis 18-jährigen Asylbewerber, überwiegend aus Afghanistan, seien zu viert in Zimmern untergebracht, die bei der Bundeswehr mit acht Soldaten belegt gewesen seien. Sie könnten nach islamischen Speisegesetzen hergestellte Lebensmittel bekommen. Küche, Bäder, Flure und Gemeinschaftsräume würden regelmäßig von Putzdiensten gereinigt. Seit Beginn des Hungerstreiks am Montag schaue ein Arzt täglich nach den Jugendlichen, ausreichend Getränke gebe es ebenfalls.

 

Tausend minderjährige Flüchtlinge

Die Stadt München fühlt sich überfordert mit dem großen Andrang von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Die Landeshauptstadt sei nur eine von zwei Erstaufnahmestellen von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in ganz Bayern, moniert Maria Kurz-Adam, Leiterin des Stadtjugendamtes München. "Wir sind jetzt im Moment bei ungefähr 1.000 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen", sagt Kurz-Adam. Diese müssten entweder in Obhut oder in entsprechenden Jugendhilfemaßnahmen eingegliedert werden. Ein Kraftakt, den die Landeshauptstadt nicht mehr alleine schultern könne.

 

Ein Mitarbeiter für 90 Flüchtlinge

Das Münchner Jugendamt fordert deshalb die Regierung von Oberbayern und den Freistaat auf, die Flüchtlinge auch in anderen bayerischen Städten unterzubringen. Derzeit kämen im Münchner Jugendamt auf jeden zuständigen Mitarbeiter 90 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

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