Mainpost, 14.05.2012

Frag-würdig: „Nicht als Strohfeuer abtun“

Fragen an Flüchtlingsrat

 

Frag-würdig

Das Netzwerk „Deutschland-Lagerland“ will seit Montag zwei Wochen lang mit Aktionen in ganz Bayern auf die restriktive Asylpraxis des Freistaats aufmerksam machen. Auftakt war am Montagabend ab 18 Uhr eine Demonstration durch die Würzburger Innenstadt. Die Lagerland-Aktionswochen sollen am 26. Mai mit einer Abschlussdemonstration vor dem Bayerischen Landtag enden. Alexander Thal vom Bayerischen Flüchtlingsrat erklärt, weshalb er die konzertierte Aktion für notwendig hält.


Frage: In Bayern herrscht eine besonders restriktive Asylpraxis, sagen Sie. Weshalb ist das Ihrer Meinung nach so?

Alexander Thal: Die Bundesgesetze machen einige Vorgaben für die Umsetzung – aber Bayern neigt dazu, diese Vorgaben im Vergleich zu anderen Bundesländern möglichst einseitig zum Nachteil der Flüchtlinge auszulegen. Nehmen Sie die Unterbringung in Lagerunterkünften oder die Essenspakete, das gibt es in den meisten anderen Ländern nicht. Die CSU fährt seit Jahrzehnten eine harte Linie, um damit bei den Wählern zu punkten. Ich hoffe, dass sich das mit der nächsten Wahl ändert.


Der Hungerstreik der Iraner in Würzburg ist von manchem Politiker als Erpressung bezeichnet worden.

Thal: Ein Hungerstreik ist das letzte politische Mittel, das es gibt. Auch, weil er lebensgefährlich ist. Deswegen würde der Flüchtlingsrat auch nie zum Hungerstreik raten, ganz im Gegenteil. Wir versuchen immer, die Flüchtlinge von diesem Schritt abzuhalten, auch wenn wir vielleicht im Einzelfall Verständnis dafür haben. Die Politik hat bei solchen Aktionen natürlich Angst, dass es bei einem Erfolg des Hungerstreiks der zehn Iraner eine regelrechte Hungerstreikwelle in Bayern geben könnte.


Das Netzwerk „Deutschland Lagerland“ ruft für zwei Wochen zu Protesten auf. Was bringen solch medialen Strohfeuer?

Thal: Uns geht es nicht nur um die mediale Verbreitung der Proteste, es geht uns darum, den Menschen, die es betrifft, Gehör zu verschaffen. Die Asylsuchenden haben eine Stimme, sie haben Argumente, aber sie werden zu wenig gehört. Dabei wollen wir ihnen helfen. Dazu brauchen wir aber natürlich die Presse, um eine Öffentlichkeit herzustellen. Klar, die Medien berichten über die Problematik der Asylpraxis punktuell, das würde ich aber niemandem vorwerfen oder als Strohfeuer abtun.

Das Gespräch führte Daniel Staffen-Quandt (EPD)

Link zum Beitrag:
http://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/Frag-wuerdig-Nicht-als-Strohfeuer-abtun;art735,6788069
    

Zurück