junge Welt, 20.04.2009

Arm und ausgegrenzt im Freistaat

Bayerischer Flüchtlingsrat kritisiert Lagerpflicht für Asylbewerber. Tausende leben unter unzumutbaren Bedingungen

Seit die CSU den Freistaat nicht mehr alleine regiert, hofft der Bayerische Flüchtlingsrat auf ein Ende der zwangsweisen Lagerunterbringung von Asylbewerbern. Eine Anhörung, die am Donnerstag im Landtag stattfindet, könnte zum Wendepunkt werden: Mit Hilfe der FDP sei eine Änderung des bayerischen Aufnahmegesetzes von 2002 vorstellbar, meint Alexander Thal vom Bayerischen Flüchtlingsrat. Mit einer »LagerInvenTour« will die Organisation auf die Lebenssituation der Betroffenen aufmerksam machen.

Die Rundreise begann bereits am vergangenen Donnerstag in München und führt bis zum Mittwoch durch Sammelunterkünfte in allen bayerischen Regierungsbezirken. Das Ziel: Wohnungen statt Flüchtlingslager. Teurer käme das in bayerischen Kleinstädten wohl nicht, denn ein Schlafplatz in der Sammelunterkunft kostet den Freistaat 400 Euro im Monat. »Wir wollen uns vor Ort ein Bild von der Lebenssituation von Flüchtlingen machen und die Ergebnisse veröffentlichen.«

»Unmenschlich« und »ein Gegenmittel zur Integration« sei die zwangsweise Unterbringung in Sammellagern, sagt Uche Akpulu vom Bayerischen Flüchtlingsrat. Der Afrikaner hat es vier Jahre lang selbst erlebt. Lagerunterbringung bedeutet unter anderem: Keine deutschen Nachbarn. Die wären aber wichtig, um soziale Kontakte zur einheimischen Bevölkerung zu knüpfen und so Deutsch zu lernen, was auch durch das Arbeitsverbot erschwert wird. Mit 40 Euro Taschengeld, die ihm nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zustanden, konnte auch Uche Akpulu keine großen Sprünge machen.

Zur Zeit sind trotz sinkender Flüchtlingszahlen noch über 7600 Asylbewerber in den insgesamt 118 bayerischen Sammellagern untergebracht – das heißt, in ausgedienten Kasernen, Gasthöfen und Containersiedlungen. In der Regel müssen sich mehrere Flüchtlinge ein Zimmer teilen, – mit wem, dürfen sie sich nicht aussuchen. Kulturelle Unterschiede oder die Zugehörigkeit zu Völkern, zwischen denen Krieg herrscht, werden bei der Raumbelegung nicht berücksichtigt.Toiletten und Duschen werden häufig von mehr als 15 Personen benutzt. Für viele der Betroffenen ein Dauerzustand, da sich die Asylverfahren oft über Jahre hinziehen.

Claudia Wangerin

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