15.06.2005

Familiendrama im Flüchtlingslager Zirndorf

Behörde schickt Vater ins Gefängnis, die Mutter nach Selbstmordversuch im Krankenhaus, die vier Kinder ins Heim gebracht

Asylgruppe Zirndorf: Am vergangen Donnerstag wurde der Aziz A., Vater von vier minderjährigen Kindern bei einer Vorladung der Zentralen Rückführungsstelle Zirndorf (ZRS) vor den Augen seiner schwer traumatisierten Ehefrau in Handschellen verhaftet und ins Gefängnis nach Nürnberg gebracht. Er wurde als "Pfand" für die geplante Rückschiebung der sechsköpfigen Familie aus dem Kosovo am Mittwoch, den 15. Juni, nach Slowenien in Sicherungshaft genommen.

Die schwer angeschlagene Ehefrau und Mutter Eljheme A. unternahm in ihrer völligen Verzweiflung und dem wiederaufbrechen der psychischen Vorerkrankung einen Suizidversuch vor den Augen ihrer vier Kinder. Nur durch schnelles Eingreifen von Nachbarn konnte die Frau von ihrem Vorhaben abgehalten werden. Sie wurde daraufhin in das Bezirksklinikum Erlangen eingewiesen, wo sie heute noch ist.
Die vier Kinder, Lumturije (9 Jahre), Florim (11 Jahre), Idriz (14 Jahre) und Zehnepe (16 Jahre) müssen seitdem ohne ihre Eltern auskommen, und das in einer fremden Umgebung, ohne die Sprache zu verstehen. Die Leiterin der ZRS, Frau Irmgrid Weckesser (Tel.: 9693-300 oder 9693-301), die bereits den Vater ins Gefängnis gebracht hatte, hat nun über das Jugendamt die Einweisung der vier Geschwister in ein Heim in Nürnberg angeordnet.

Sobald die Mutter aus der Klinik entlassen wird, werden sie dann nach Slowenien abgeschoben. Dort wurden sie vor drei Monaten als Flüchtlinge erstmalig registriert. Die schwere psychische Erkrankung der Mutter wurde aber nicht behandelt. Der sechszehnjährigen Tochter drohte die Entführung zur Zwangsprostitution. Deshalb ihre weitere Flucht nach Deutschland.

Am Sonntag, den 19. Juni, feiert die jüngste Tochter Lumturije ihren 10 Geburtstag. Doch zum Feiern wird es für sie nichts geben, nachdem der Vater weiterhin in Haft und die Mutter im Krankenhaus ist.

Erwin Bartsch, Gemeindepädagoge der evang. Kirchengemeinde St. Rochus, ist entsetzt über die brutale Familientrennung durch eine deutsche Behörde. Auch die Zwangsabschiebung der schwer traumatisierten und dringend behandlungsbedürftige Mutter von vier Kindern ist nicht mehr nachvollzieh- und verstehbar. "Ich habe nicht geglaubt, dass eine deutsche Behörde zu einer solchen seelischen Grausamkeit greift. Die seelischen Wunden der Kinder, die hier amtlicherseits geschlagen wurden und werden, sind Verletzungen der Menschwürde, die nicht mehr hingenommen werden können."

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